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Blinde Banken?

Kategorie: Persönlich, Finanzen, Wirtschaft, Sozialpolitik

Artikel erstellt am: Montag 09. Februar 2009 Alter: 13 Jahr/e

19,7 Milliarden Franken Verlust hat die UBS 2008 eingefahren, 8,2 Milliarden die Credit Suisse. Eifrig arbeiten diejenigen, welche dafür verantwortlich sind, an der Legende, niemand habe die Wirtschaftskrise vorausgesehen. Dabei haben namhafte Ökonomen schon vor Jahren genau vor diesem Szenario gewarnt. Doch (fast) niemand wollte hören, das ist die Realität. In einem Kommentar in der SMUV-Zeitung vom 28. März 2001 habe ich auf diese Szenarien hingewiesen und auch gleich erklärt, weshalb ich meine bescheidenen Ersparnisse niemals in Aktien investiert oder einem Fonds anvertraut hätte. Damals war gerade die Internet-Blase geplatzt, es folgte noch eine kurze Immobilien- und Rohstoff-Blase, bevor 2007 der Sinkflug einsetzte.

Kommentar in der SMUV-Zeitung vom 28.3.2001

Anruf von der Bank

Just am Donnerstag, als die Schweizer Börsen um über 5 Prozent einbrachen, rief mich ein Bankangestellter an, um mir für meine lächerlichen Ersparnisse Aktien anzudrehehn. Hundert von Bankern sind dafür bezalt, täglich Tausenden von Kunden Aktien zum Kauf zu empfehlen. Sie leben in einer Welt, die sich - trotz gelegentlicher Rückschläge - nur in eine Richtung bewegt: nach oben.

Sie haben die andere Welt, jene von dramatisch sinkenden Börsenkursen, von Depression und Wirtschaftskrise völlig ausgeblendet. Wie sollten sie anders, dafür sind sie nicht bezahlt, damit wäre die Grundlage ihrere Existenz bedroht. Diese Welt haben sie auch, wie alle heute arbeitenden Generationen, nie selbst erlebt.

Nicht nur die Gewerkschaften warnen seit längerem vor diesem Szenario. Der Hinweis, dass das Verhältnis von Aktienhandelsvolumen zu Bruttosozialprodukt in den USA mehr als zehnmal höher ist als in normalen Zeiten, stammt vom St. Galler Wirtschaftsprofessor Fredmund Malik. Der Chefökonom der britischen Investmentbank Flemings & Co., Peter Warburton, legt den Finger auf den gigantischen Schuldenberg von Pivaten und Firmen, welcher der Aktienhausse der letzten Jahre zugrunde liegt. Der amerikanische Notenbankchef Alan Greenspan selbst hatte bereits 1996 den irrationalen Überschwang der Börsen kritisiert. Hinter dieser These stand schon damals offenbar Robert Shiller, der heute darauf hinweist, dass ein Preis-Gewinn-Verhältnis von 40 deutlich über dem bisherigen Rekord von 1929 mit 33 liege. Der Harvard-Ökonom Paul Krugman hat die Gefahren einer grossen Rezession bereits 1999 detailliert beschrieben.

Doch die Banken brauchen Geld, Umsatz und Courtagen. Die ArbeitnehmerInnen sollen die letzen angeblich "unproduktiven" Bankkonten zu Gunsten der Aktienfonds plündern. Das ist doppelt tragisch, weil sie bei einem wirklichen Crash als erste ihre Ersparnisse verlieren würden und gleich auch noch ihr Arbeitsplatz gefährdet wäre. Derweil hat sich der grosse Spekulant Georg Soros bereits vor einem Jahr von der Börse zurückgezogen. Das Risiko ist ihm zu gross geworden.

Thomas Göttin, 28.3.2001

 

 




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