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Sichtbares und unsichtbares

Lieber Felix

Selten habe ich eine Anfrage so gerne übernommen wie diese für eine Würdigung deiner Arbeit in der SP Stadt Bern. Aus Freundschaft, weil deine Arbeit unschätzbar ist, und erst recht weil sie nicht so sichtbar ist wie bei andern.

Du hast diese Stadt eben doch sichtbar geprägt. Du hast das Wasser wieder zugänglicher gemacht, ein unschätzbarer Erholungswert für die Gesellschaft und eine Herzensangelegenheit von dir, nicht nur die schöne grüne Aare: Vom Stadtbach im Westen über den Sulgenbach im Süden bis zum Lötschenbach im Osten sind diese Bächlein zum Teil wieder freigelegt und renaturiert. Dazu hast du mir eine Motion für ein Fliessgewässerkonzept geschrieben, welche die Stadt in den letzten Jahren umgesetzt hat. Dank dir die Aare in der Felsenau nicht völlig mit Hochwasser-Mauern eingemauert: du hast die Einsprache der SP geschrieben – als niemand sonst sich dafür eingesetzt hat – und erreicht, dass die Mauern einen halben Meter tiefer gebaut wurden.

Du hast die Verkehrs- und Planungspolitik der SP geprägt in der Parteileitung und der AG Stadtentwicklung wie kaum jemand sonst, und damit manchmal auch die Stadt. Ein Beispiel ist die Verkehrsregelung beim Paul Klee Zentrum mit der Autosperre bei der Busendstation zwischen den Strassen Friedhofweg und Radwahn – dazu muss ich noch sagen, ich habe dich nie auf einem Velo gesehen, du bist der überzeugteste Fussgänger den ich kenne, darum ist es eigentlich frech von der Stadt, dass der Weg rechts davon jetzt ausgerechnet Radwahn heisst.

Zwischen 2006 und 2021 hat die SP Stadt Bern 114 Vernehmlassungen und Einsprachen gemacht, die meisten davon Bereich Verkehr und Stadtplanung. Daran kann man ablesen, welchen Beitrag du geleistet hast, immer fundiert, das hat mir auch Edith Siegenthaler bestätigt: du hast dich immer für die Einhaltung von grundlegenden Regeln eingesetzt, was ja auch nicht nur selbstverständlich ist. Und das auch in den Herbstferien, weil die Stadt gern am Montag vom Anfang von den Herbstferien etwas veröffentlicht, wenn sie nicht will, dass man es merkt.

Unschätzbar ist aber auch deine Arbeit für die SP Stadt Bern selbst, seit 2006 als Vizepräsident und im Büro GL. Schon in der schwierigen Zeit ab 2007 als ich das Co-Präsidium übernommen habe, bist du ein wichtiges Rückgrat gewesen. Wenn man den Jahresbericht 2007 liest, gibt es einen kleinen Eindruck warum: „Zeitgleich mit der Wahl des neuen Co-Präsidiums erschien in der Zürcher Weltwoche ein Artikel, der das „Bern-bashing“ einläutete. Kurz darauf folgte die Mobbing-Affäre der ehemaligen Stadtschreiberin, bis es vor den Sommerferien gerade noch für die ersten Vorwürfe in Sachen Sozialmissbrauch reichte. Die Sozialmissbrauchs-Debatte beschäftigte das politische Bern intensiv bis in den Herbst, als die Sicherheits- und Sauberkeitsdebatte rund um die Demo vom 6. Oktober entbrannte“. Das war der Marsch auf Bern von Blocher und der SVP zwei Wochen vor den Nationalratswahlen, der es auf die Titelseite der New York Times gebracht hat. Du bist  - nicht nur in dieser Zeit – ruhig und überlegt aber auch klar und mutig. Wenn du mich mit der selbstgedrehten Zigarette in der Hand, auf Schaffhauser-Deutsch gefragt hast: „Mainsch wirklich“, dann ist das zwar wie meist kurz und bündig, aber schon sehr gut überlegt. Edith hat mir geschrieben: „Felix hat sich nie gescheut, für politisch heikle Punkte einzustehen, wenn er davon überzeugt war. Ihm ist Transparenz und Diskussion mit offenem Visier wichtig. Ich war persönlich sehr froh, konnte ich mich auf Felix als "graue Eminenz" und langjähriges Gedächtnis der PL verlassen. Vor allem am Anfang, als ich neu im Präsidium war und es einige Wechsel gegeben hatte.“

Schliesslich bist du im Präsidium immer das Gewissen von den Mitgliedern gewesen, die nicht im Parlament sind. Da ist absolut zentral, und da rede ich sicher auch im Namen von vielen Mitgliedern, weil Parlamentarier:innen manchmal einfach in ihrem Hamsterrad drehen. Bescheiden hast du viel unsichtbare Arbeit geleistet, du hast in Personalkommission und Ausschüssen neue Namen für Gemeinderat oder  Parteipräsidium geprüft. Aber legendär war die Arbeitsgruppe, die du geleitet hast, und welche die Sektionsgrenzen der Parteisektionen neu festgelegt hat. Am Schluss haben sich in der GL tatsächlich drei Sektionen um den Bremgartenwald gestritten, in dem gar kein Haus steht. Ich weiss gar nicht ist das heute geklärt?

Lieber Felix, unsere gemeinsame politische Geschichte geht weiter: Deine Tochter – mein Göttikind - arbeitet manchmal im Polit-Forum Bern, als aktuelles Forum für Politik und Demokratie ist es glaub heute wichtiger denn je. Und wir trinken zusammen ein Wein aus Wilchingen, gerade nicht aus Hallau, am Besten auf der Dachterrasse hier im Volkshaus. Das Volkshaus ist nämlich ursprünglich von 1893 und mit Kopenhagen das älteste von Europa. Unsere Geschichte geht nicht nur weiter, sie hat auch eine Herkunft.

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