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Stadt oder Land?

Liebe Gastgeber:

Walter Gerber, Präsident des Grossen Gemeinderates,

Bernhard Antener, Gemeindepräsident, Thomas Gerber, Gemeinderat,

Liebe Madeleine Ryser, Leiterin des Museums

Lieber Hansueli Glarner, Kulturbeauftragter des Kantons

 

Manchmal sind spontane Ideen gar nicht so schlecht. An einem Sonntag Morgen im Kino Rex in Bern war ich an der Vernissage von einem Filmes von Yusuf Yesilöz über Einwanderer, die Schweizer Parlamenten politisch aktiv sind. Bei dieser Gelegenheit kam ich mit Hansueli Glarner ins Diskutieren: Man könnte doch einmal offiziell als Stadtparlament eine kulturelle Institution im Kanton, also über die Stadtgrenze oder den Tellerrand hinaus besuchen. Voilà jetzt sind wir da. So hat sich aus einem Film über Einwanderung unvermittelt ein Besucht einer Ausstellung über Auswanderung ergeben. Als Zeichen der Wertschätzung und zur gegenseitigen Vernetzung.

 

Wertschätzung ist ein Grund für den Besuch, ein zweiter ist für mich Interesse: es gibt so vieles zum Entdecken an Kultur und Elementen von eigenen Identitäten, Herkünften, Geschichten. Kultur passiert ja auf keinen Fall nur in der Stadt, und es tut manchmal gut dass man das auch sieht. Denn das vergisst man in der Stadt gern. Ich glaube auf dem Land ist das anders, da geht man auch in die Stadt Bern, wenn man sich für Kultur interessiert. Aus Bern hinaus muss man nicht unbedingt dafür, man kann gut mit Chlichées leben.

 

Eines dieser Chlichées ist das prächtige bluemete Trögli wie hier vor dem Chüechlihus. Wobei – nichts gegen Geranien: Diese Migrantenkinder „out of Africa“, wie eine Ausstellung im Alpinen Museum dazu heisst, machen sich auf der ganzen Welt gut, im Chuechlihus genauso wie Bern wo sie ab nächster Woche wie seit 60 Jahren die Altstadt schmücken, bis nach Südamerika.

 

Es hat mich deshalb vor allem auch interessiert, wie sich Langnau selber versteht. Stadt? Land? „Städtisches Dorf“ hat Walter Gerber gesagt. Ich finde das bezeichnend: Wenn ich aus meinem Quartier ins Zentrum von Bern gehe, sage ich auch „ich gehe in die Stadt“. Also wohne ich auf dem Land? Bümpliz alleine ist grösser als der Kanton Appenzell, die Stadt Bern grösser als ein Drittel der Kantone, aber wäre in Hamburg nicht einmal ein Stadtviertel. Mit dem 40köpfigen Parlament umgekehrt hat Langnau ja einen ähnlichen Hintergrund wie wir mit dem Stadtparlament. Wir können heute also über Kultur diskutieren, aber ebenso über Sitzungsdisziplin und Redezeitbeschränkung. Vielleicht ist Stadt und Land immer dort wo man selber nicht ist, das passive Gegenstück zu Ein- und Auswanderung, Ort der Vorstellung, der Vorurteile, der Sehnsucht.

 

Wir sind eine kleine, aber feine Delegation, es sind von der SVP bis zur Alternativen Liste fast alle Fraktionen vertreten, ebenso die Stadtverwaltung. Besonders freut mich, dass Hansueli Glarner dabei ist, Leiter des kantonalen Amtes für Kultur, sowie Katharina Altas dabei ist - sie haben auch einen grossen Teil der Vorarbeit geleistet, dafür besten Dank. Katharina Altas ist Präsidentin der interfraktionellen Kulturgruppe des Stadtrates und mit ihrem eigenen, vielfältigen Hintergrund für mich immer ein Beispiel dafür, wie viele verschiedene, spannende Facetten in uns als Personen da zusammen kommen.  

 

Es gibt auch Stadtclichées, nehme ich an – oder vielleicht sind das ja auch nur meine Clichées von den Clichées. Auf jeden Fall als prophylaktisches Antidot ein kleines Geschenk von meiner Seite: Bernsehen II, ein Buch mit Bildern und Texten zu Bern.

Langnau 20.5.2016

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