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Eine Handbreit Aarewasser unter dem Kiel

Liebe Wasserfahrer und –fahrerInnen, liebe Gäste

Es ist mir eine grosse Ehre und ich hätte nie gedacht, dass ich als Stadtratspräsident in Bern jemals ein Schiff, und erst noch das Berner Flaggschiff, die Ittume taufen werde.

 

Wasserfahren ist ein altes Handwerk und gehört seit Jahrhunderten zu Bern. Wunderbar, dass es in dieser Form weiter geführt wird, mit dem Engagement von Aare Club Matte und mit seinen Wasserfahr-Turnieren. Letztes Jahr hat mich dieses Engagement von Jung und Alt, von Männer und Frauen bei Wettkampf und beim Mitfiebern sehr beeindruckt. Auch bei Hochwasser sind die Wasserfahrer bereit zur Spontanhilfe, und wenn es dann wirklich nötig ist, dann ist es auch unschätzbar wichtig.

 

Vor einem Jahr habe ich auch das schlafende Schiff besichtigt im Regen, unter einer Plache beim Längmurweg. Jetzt ist es strahlend neu. 25 bis 30 Freiwillige haben tausende Stunden daran gearbeitet, das verdient höchstes Lob. Das ist, wie Wasserfahren selbst, Handwerk. Dabei macht man grundlegende und befriedigende Erfahrungen – die man im Beruf nicht immer macht, vorausgesetzt man hat überhaupt einen Job:

  • Menschen arbeiten zusammen und haben ein gemeinsames Ziel
  • Leute sehen ein konkretes Resultat ihrer Fertigkeiten und persönlichen Einsatzes
  • Und Menschen nehmen wahr, dass sie etwas bewirken können

Diese Erfahrungen sind auch für die Gesellschaft unersetzlich. Ohne ehrenamtliche Tätigkeit geht es nicht, und es ist auch nicht so, dass das auf dem Lande häufiger wäre als in der Stadt, in der Stadt gibt es das genauso. Und ich bin sicher, dabei hat es Leute, die so etwas wie die Seelen eines Projektes sind, ich nehme an Martin Seiler gehört dazu. Für die viele ehrenamtliche Arbeit herzliche Gratulation

 

Seit die Ittume in den 70erJahren auf der Aare war, hat sich viel verändert in Bern: es gab die Auseinandersetzungen in den 80er Jahren, Schulden und Bevölkerungsrückgang in den 90er. Heute erlebe ich die Stadt als lebendig, selbstbewusst und vielfältig: Seit einigen Jahren wächst die Bevölkerung, die finanzielle Lage hat sich gebessert. Und nicht zu vergessen: Seit Jahrzehnten findet endlich wieder einmal ein Stadtfest statt.

Auch die Ittume bricht auf zu neuen Ufern. Ein Langschiff für Bern, bis nach Hamburg sind Fahrten geplant, das Meer lockt. Und wenn ihr nach Hamburg geht, nehmt Hirsebrei mit und zeigt den Zürchern, wie gut wir von Bern über die Aare hinaus mit der Welt vernetzt sind. Nehmt auch vom Ehrenwein mit, den die Stadt gespendet hat, oder und es keinen mehr hat, kommt nachfassen.

 

So ruhig, wie ich das für Bern beschrieben habe, sind die Gewässer nicht rund um uns. Gefragt ist Solidarität untereinander und mit anderen – wir sitzen im selben Boot. Angst wäre ein schlechter Begleiter und das beste Mittel dagegen ist, dass man die Dinge zusammen unternimmt. Ich stelle mir vor das ist wie beim Renovieren oder beim zusammen rudern. Und Angst haben die WasserfahrerInnen ja wahrscheinlich sowieso weniger. Passt einfach auf bei der Rückfahrt mit dem Motor wegen den vielen Aare-Schwimmern.

 

Eine Schiffstaufe ist ein altes Ritual. Es gibt da viele Hinweise auf was schief laufen kann oder wichtig ist. Die Titanic ist nie getauft worden, die Opernsängerin Anna Netrebko hat für eine Schiffstaufe eine ganze Arie gesungen. Für die Ittume wird die Taufe meine Partnerin Paula Bezzola vornehmen, sozusagen die first lady. Wie es sich gehört, wünsche ich der Besatzung allzeit gute Fahrt und dem Schiff immer eine Handbreit Aare-Wasser unter dem Kiel.

Bern 11. Juni 2016

Martin Seiler, Paula Bezzola, Thomas Göttin
Taufe
Taufrede
Einsteigen
Ablegen
In voller Fahrt
Unter der Untertorbrücke durch
Begleitet von Böllerschüssen

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