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Rüschlikon will mit Grossprojekt ein Stück Normalität zurückgewinnen

Einhausung der Autobahn soll Raum für 600 Wohnungen für den Mittelstand schaffen

 

Um das definitive Aussterben mittelständischer Familien zu verhindern, setzt die Gemeinde Rüschlikon ihre Landreserven ein. Eine eigens gegründete Genossenschaft will darauf seeseits der Autobahn ein 400-Millionen-Wohnbauprojekt realisieren und dazu die Autobahn einhausen.

wbt. Um es vorwegzunehmen: Noch ist vieles an den kühnen Plänen der Gemeinde Rüschlikon und der Genossenschaft für Mittelstandswohnungen in Rüschlikon (GMR) für ein vollständig neues Wohnquartier an der Autobahn ungewiss. Was Gemeindepräsident Bernhard Elsener am Mittwoch an einer Medienkonferenz vorstellte, sind eine Art Befreiungsschlag gegen die sich laufend verschärfenden Probleme Rüschlikons und eine Illustration der luxuriösen Nöte von Vorstadtgemeinden. Die knapp 5000 Einwohner zählende Zürichseegemeinde ist hervorragend erschlossen und nur wenige Minuten vom Zürcher Stadtzentrum entfernt. Mit dem Gottlieb-Duttweiler-Institut (GBI), dem IBM-Forschungslabor und dem Centre for Global Dialogue der Swiss Re verfügt sie über prestigeträchtige Think- Tanks. Allerdings können sich Normalverdiener und Familien mit Kindern das Wohnen in Rüschlikon kaum mehr leisten.

Die Land- und Wohnungspreise sind ins Unermessliche gestiegen, das Angebot an Miet- und Eigentumswohnungen beschränkt sich auf das Hochpreissegment. Trotz eifriger Bautätigkeit blieb die Einwohnerzahl jahrelang konstant. Den öffentlichen Schulen, vor allem der Oberstufe, fehlt der Nachwuchs, dem Dorf die jüngere Generation von Erwachsenen.

Ein Quartier für neue Einwohner

Die Veränderungen der Bevölkerungsstruktur haben auch eine finanzielle Seite. Die Pro-Kopf- Steuerkraft hat in Rüschlikon Rekordhöhen erreicht, was dazu führt, dass die Beiträge an den kantonalen Finanzausgleich sich innert einem Dutzend Jahre fast verfünffacht haben und 2007 26,5 Millionen Franken erreichen. Der Gemeinderat will diesen aus seiner Sicht bedenklichen Entwicklungen mit Ideen und Projekten entgegentreten, denen das Potenzial zukommt, die Entwicklung der Einwohnerschaft in die gewünschte Richtung zu drehen: Rüschlikon, so die Gemeindeväter und -mütter, soll «die familienfreundlichste Gemeinde am Zürichsee» werden.

Das gewichtigste Projekt ist ein gemischtwirtschaftliches Vorhaben der Gemeinde mit der vom Bundesamt für Wohnungswesen als gemeinnützig anerkannten GMR mit Sitz in Zürich. Seine Grundidee ist bestechend einfach: Die Genossenschaft bewirbt sich beim Bund um eine Nutzungskonzession für den Raum über der Autobahn. Bei einer Zusage überdeckt sie diese auf einer Länge von rund 600 Metern. Anschliessend tauscht die Genossenschaft die Überdeckung gegen das heute für Sportanlagen und Familiengärten genutzte Gemeindeland. Diese Nutzungen werden auf die Autobahn verlegt.

Damit wird der Weg frei für die Realisierung des neuen Wohnquartiers Rosenmoos mit rund 600 für den Mittelstand erschwinglichen Wohnungen in Ein- und Mehrfamilienhäusern oder 1500 bis 2000 neuen Einwohnern. Mit einem Baubeginn ist nicht vor 2011 zu rechnen, 2013 könnten frühestens die ersten Bewohner einziehen. Finanziert würde das Projekt vollständig von der Genossenschaft.

Vom Projekt verspricht sich GMR-Präsident Peter Burkhalter eine Verbesserung der Lebensqualität im Dorf, weil es den Autobahnlärm eindämmt, die zerschnittenen Dorfteile zusammenfügt, neue Grünflächen schafft und den Zugang zu den Naherholungsgebieten verbessert. Der Gemeinde bringe es eine bessere Auslastung der Infrastrukturen, namentlich der Schulen, und eine nachhaltige Haushaltsverbesserung. Scheitern kann es aus vielen Gründen, nicht zuletzt an einem Nein der Rüschliker Stimmberechtigten, die nicht eben den Ruf haben, gemeinderätlicher Begeisterungsfähigkeit rasch zu erliegen. Bereits seit längerem bekannt sind die Pläne der Gemeinde Rüschlikon und der SBB beidseits der Bahngleise im Zentrum. Seeseitig planen die SBB rund 40 Wohnungen und Räumlichkeiten für einen Grossverteiler und andere Ladengeschäfte. Bergseitig will die Gemeinde ein grösseres Dienstleistungsunternehmen ansiedeln und durch private Investoren mehrere Wohngebäude mit 60 Wohnungen zu tragbaren Mietbedingungen, darunter auch Alterswohnungen, realisieren lassen. Die ursprünglichen Pläne beider Partner wurden überarbeitet. Es sind kürzere, nicht allzu hohe Bauten ohne Attikageschosse mit breiten Zwischenräumen und einer einheitlichen Gestaltung der öffentlichen Räume vorgesehen. Mit der Zentrumsüberbauung soll es rasch vorwärtsgehen. Im März 2008 dürfte die Gemeindeversammlung über Verkäufe und Gestaltungspläne befinden.

Veränderungen durch die Grossprojekte

Der Gemeinderat will über beide Grossvorhaben einen Dialog mit der Bevölkerung führen. Um deren Auswirkungen auf die Entwicklung der Gemeinde zu erkennen, hat er eine Studie in Auftrag gegeben, welche die gegenwärtige wirtschaftliche, gesellschaftliche und ökologische Situation der Gemeinde analysiert und die möglichen Veränderungen durch die beiden Grossprojekte einschätzt. Aufgrund der Studie - und wohl auch des kaum ausbleibenden Echos aus dem Dorf - wird der Gemeinderat nach den Sommerferien das Projekt Rosenmoos einer ersten Beurteilung unterziehen. Gleichzeitig klärt die GMR die technische und wirtschaftliche Machbarkeit ab.

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