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Stadtfest für ein selbstbewusstes Bern

Werte Anwesende

 

Es kommt, das Stadtfest. Nach einem Viertel Jahrhundert wird es wieder einmal so weit sein. Ich habe noch nie so viele Reaktionen erhalten wie auf diesen Vorstoss, ganz viele aus dem Stadtteil 6 und praktisch alle positiv: wann kommt es, was könnte man machen, Leute mit Ideen und Vorschläge, es ist schon so etwas wie Vorfreude spürbar, mir selber geht es ja auch so.

 

Feste spielen eine wichtige Rolle im Selbstverständnis einer Gesellschaft, einer Stadt. Man kann die eigene Erinnerung danach einteilen, privat. Hochzeit, runde Geburtstage, Wohnungseinweihung, als Stadt: Die Gründungsfeier 1891 auf dem Kirchenfeld und die Landesausstellung 1914 in der Länggasse, die kenne ich nur aus Postkarten, die Einweihung der Monbijoubrücke 1962 – ein Brückenfest - von älteren Nachbarn, dann das Bernfest 1976 mit Rumpelstilz auf dem Bundesplatz oder das Stadtfest 1991.

 

Feste haben auch etwas mit Identität und Selbstverständnis zu tun, und darum spielt das Motto eine wichtige Rolle. Brücken sind ein Symbol für ein modernes, städtisches, selbstbewusstes Bern, man denke nur an die Kirchenfeldbrücke mit dem Bild von der Kinderkrippe, damals schon, von Albert Anker, der sich selber als Kosmopolit bezeichnet hat, an die Rote Brücke der Eisenbahn, die Kornhausbrücke oder in Zukunft vielleicht die Panoramabrücke für Velo und Fussgänger. Ein Symbol für die Verbindung zwischen den Quartieren, zur Agglomeration und dem Land, zwischen den Landesteilen.

 

Bümpliz-Bethlehem ist ein ausgezeichneter Ort für ein modernes Stadtfest, 2016 ist Bümpliz 1000 Jahre alt, und in keinem andern Stadtteil ist in den letzten Jahren und Jahrzehnte so viel gegangen, liegt der Brückenschlag zwischen der fernen Vergangenheit, 19. Jahrhundert, Moderne und neuste Zeit so nahe nebeneinander. Wenn man sich dessen bewusst ist, stärkt dies die eigene Identität, und damit auch die Fähigkeit, neuem und unbekanntem ohne Angst gegenüber zu treten.

 

Unsere Stellungnahme zu Organisation und Anträgen.

Buskers als jährliches Musik-Festival ist kein Stadtfest und will zu Recht auch keines sein. Die Bümplizer Chilbi wird durch ein Stadtfest nicht konkurrenziert, sondern im Gegenteil können sich beide ergänzen, wie das ja auch die Quartierkommission empfiehlt. Ich bin sicher da wird sich eine gute Lösung finden. Sinnvoll finden wir die Organisation mit einem starken Bezug zur Stadt und zum Stadtteil 6 in einer breiten Trägerschaft, mit der operativen Verantwortung in einem OK das nach Aufgaben zusammengestellt wird und mit der Funktion eines externen Projektleiters.

 

Das Stadtfest soll für alle frei und gratis zugänglich sein, deshalb sind wir der Meinung, dass es Geld der Stadt braucht, auch damit andere Geldgeber mitmachen. Nach 25 Jahren ist eine halbe Million nicht überrissen. Die Aufteilung fifty-fifty mit andern Geldgebern unterstützen wir sehr, und wenn es weitere Sponsoren gibt, kommt das nur dem Fest zugute.

 

Die Anträge der FDP, die den Beitrag der Stadt kürzen oder faktisch ganz streichen will, finden wir kleinlich, ja schäbig. Ein Stadtfest ja, aber ohne Stadt, das lehnen wir ab. Die Misswahlen, welche Bernhard Eicher immer als Vorbild für ein privates Fest bringt, sind eben gerade nicht ein Beispiel für ein Stadtfest, wie wir uns das vorstellen, sondern für eine geschlossene Veranstaltung für Auserwählte. Ein Teil der sogenannten „Naturalleistungen“ gehören zu den normalen Aufgaben der Stadt oder werden auch andern nicht verrechnet. Und der Gebührenerlass alleine ist ja auch nicht die grosszügige Geste, die von selbst ein Stadtfest in die Gänge bringt. Das funktioniert so nicht. Den Antrag 1 der FDP lehnen wir ab. Auch den Antrag 2: Wo die Stadt mit engagiert ist, macht es sicher keinen Sinn, das ganze OK auszuschreiben, dann wären wir wieder bei einem privaten Fest, bei dem die Stadt nur noch zahlt.

 

Den Antrag 1 der SBK kann ich mir nicht vorstellen, ein paritätischer Einsitz des Stadtrates im OK: Für jedes zweite Ressort ein Stadtrat? Eine paritätische Vertretung aller Fraktionen? Der Stadtrat wär dann Wahl- und Verantwortungsbehörde für die operative Leitung eines Stadtfest? Was wären die rechtlichen Grundlagen? Nein, das ist nicht machbar und sorry, da wir gerade beim festen sind, eine Bieridee. Von solchen Konstrukten sollten wir dringend die Finger lassen. Das will übrigens nicht heissen, dass sich nicht auch Stadträte privat für das Stadtfest engagieren können. Deshalb lehnen wir auch den Antrag der BDP/CVP ab, der den Einsitz für Stadträte im OK verhindern will. Persönlich bin ich eher der Meinung, Stadträte gehören nicht ins OK.  Antrag 2 der SBK nehmen wir an, die Kommission soll regelmässig über die Umsetzung informiert werden.

 

Viele Ideen, Motto, Rahmenbedingungen etc., stammen aus dem Stadtrat, von jenen, die bei den Vorstössen mitdiskutiert haben, nachdem der erste Anlauf mit einem Vorschlag des Gemeinderates bekanntlich im Graben (Bärengraben) gelandet ist. Wir haben den Eindruck, der Rahmen ist jetzt klar genug, damit man weiss was kommt, aber auch offen genug, damit vor allem der Stadtteil 6, die Bevölkerung und viele Interessierte noch Ideen einbringen können. Bedenkenträger, die sagen, es sei alles unklar, oder im Gegenteil alles vorgespurt, wird es immer geben, aber es würde mich freuen, wenn auch die SVP dabei ist wenn wir uns einen Ruck geben, so jetzt machemer das!

 

Ich wünsche mir, dass alle Bevölkerungsschichten beim Fest dabei sind, jung und alt, BernerInnen und Berner, AusländerInnen und Ausländer, Zugewanderte, Auswärtige, dass der Brückenschlag gelingt, dass alle den Moment geniessen und sich lange daran erinnern werden.

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