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Fraktionserklärung Thunplatz 2.2.2006

Motion FDP(Christian Wasserfallen/Karin Feuz): Gefährlich, stauanfällig, unübersichtlich und unpraktisch – der Thunplatz bedarf dringend einer verkehrstechnischen Radikalkur.

 

Werte Anwesende

Wir führen hier die x-Debatte zum Thunplatz, man könnte fast sagen, wir drehen uns im Kreisel, und Christian Wasserfallen erwischt die Ausfahrt nicht..

Der Thunplatz – ich fahre auch täglich drüber - ist einer der unfallträchtigsten Orte in Bern – von einem Platz kann man ja kaum reden. Seit Jahren schaffen es Thunplatz und Burgernziel neben der Wankdorfkreuzung in der Unfallstatistik locker auf die ersten Plätze. Die Achse Thunplatz-Burgernziel-Ostring im Berner Osten gehört zu den schwierigsten Gebieten von der Stadt. Wir haben eine Situation wie am Gotthard. Der Ostring hat mehr Auto-Verkehr als der Nordring – darüber hab ich schon eine Wette mit Stefan Jordi gewonnen – und hat erst recht mehr Verkehr als die Neubrückstrasse. Die Thunstrasse hat zum Autoverkehr noch drei Tramlinien, zwei Buslinien, Veloverkehr und – damit wir das nicht ganz vergessen - auch noch ein paar Fussgänger, schliesslich ist es ein Wohnquartier. Da muss man sich über die Unfallzahlen nicht wundern. Aber beim Thunplatz ist keine Rede von einer „Sanierung“ wie bei der Wankdorf-Kreuzung für 120 Millionen oder für die Thunstrasse keine Rede von „Entlastung“ wie bei der Länggasse durch den Neufeldtunnel für 53 Millionen. Es geht dabei nicht um die zweifelhaften Massnahmen an sich, nur um die finanziellen Grössenordnungen. Beim Thunplatz längt es hepp chlepp für ein lumpiges Verkehrsversüchlein für gerade einmal 300'000 Franken im Provisorium. Die Stadt hat angeblich nicht einmal mehr 500'000, um das wenigstens fertig zu bauen.

Und jetzt kommt die FDP und will dies auch noch rückgängig machen. Dabei ist die Motion in sich schon nicht gerade ein Musterbeispiel von Ingenieur- Logik: Einerseits fordert sie Abbruch der Übung und Wiederherstellung von der früheren Lösung, wo aber sicherheitsmässig soll überarbeitet werden. Ja was jetzt: Alte Lösung oder neuer, überarbeiteter Versuch. Die SP/JUSO lehnt die Motion einstimmig ab.

Die Stadt hat das Verkehrsversüchlein ausgewertet und Verbesserungen vorgeschlagen. In der Antwort vom Gemeinderat vom August sind sie noch in Planung. Die meisten Verbesserungen sind in der Zwischenzeit umgesetzt worden. Die ersten Erfahrungen sind positiv: die Grünphase für die Fussgänger wo aufs Tram wollen sind verbessert, für die VelofahrerInnen vom Dählhölzli gibt es eine Ameldeschlaufe für die Lichtsignalanlage, die Situation für die Autofahrer ist ein bitz übersichtlicher wegen dem neu eingestellten Blinklicht, und, auch da kann ich Christian Wasserfallen beruhigen, wo letzte Woche schon das Gefühl gehabt hat, das Tram brauche täglich länger: Laut Bern Mobil sind die Durchfahrtszeiten gleich geblieben und gibt es keine Problem. Im Gegenteil übernimmt offenbar in diesen Tagen die RBS das Betriebsleitsystem von BernMobil, was die Abstimmung beim Thunplatz noch verbessert. Die Unfallzahlen sind auch gesunken, im Jahr 2005 hat es noch 10 Unfälle gegeben (2004 sind es noch 16 gewesen, was die Motion ausgelöst hat). Der Thunplatz ist auf den 5. Rang „abgerutscht“ beziehungsweise aufgestiegen.

All das ändert nichts daran, dass der Thunplatz immer noch wie ein furchtbares Provisorium aussieht, mit den Betonkleckern auf dem Boden. Ich habe selber auch das Gefühl, der Platz sei unfertig, unübersichtlich und macht keine Falle. Mein dringender Wunsch deshalb: Dass die Stadt an dieser Gotthard-Achse Thunplatz-Burgernziel endlich Geld in die Finger nimmt, den Thunplatz fertig stellt und nicht jahrelang als Providurium vor sich hinmotten lässt. Das Warten auf allfällige Werkleitungensanierungen und Gleiserneuerungen, wie der Gemeinderat in seiner Antwort in Aussicht stellt, ist eher eine Ausrede fürs Nichtsmachen, weil so Sanierungen gar nicht in Sicht sind. Auch machen könnte er auf der Thunstrasse und bis zum Burgernziel das an Aufwertungen, was schon einmal geplant gewesen ist, und wo dann mit dem Nein zur Verkehrslenkung bachab gegangen ist. Der nächste Schritt wären denn echte Verkehrsberuhigungsmassnahmen,  das würde dann die Unfallzahlen senken, aber auch die Lärm- und Feinstaubbelastung, und die Wohn- und Lebensqualität aufwerten.