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Bericht von der Mitgliederversammlung vom 8. Mai 2006

Das Renaturierungsprojekt in der Elfenau und der Hochwasserschutz an der Aare

Über 20 Mitglieder der SP-Sektion Bern-Ost befassten sich an der letzten Mitgliederversammlung vom 8. Mai 2008 mit dem Thema "Hochwasserschutz an der Aare". Von besonderem Interesse für die Sektionsmitglieder war dabei natürlich die Frage, wie sich die Sektion zu den teilweise umstrittenen Renaturierungsmassnahmen im Raum Elfenau stellt.

Die Grundlagen

‚Unser’ Stadtrat Thomas Göttin (www.thomas-goettin.ch) und ‚unser’ neu gebackener Vizepräsident der SP Stadt Bern Felix Huser orientierten die Anwesenden mit kurzen Einleitungsreferaten (auch mit kurzen Blicken ins Ausland, z.B. zur Isar in München) - über die verschiedenen Bedürfnisse, Interessen, Anliegen und Ziele, die bei den meisten Flussbauprojekten in unmittelbarer Nähe des Siedlungsgebietes vorhanden und nicht immer leicht unter einen Hut zu bringen sind:

• ein wirksamer und nachhaltiger Hochwasserschutz
• eine langfristig gesicherte Trinkwasserversorgung
• eine ökologische Aufwertung des Flussraums
• die Integration in den städtischen Raum bzw. die Erhaltung der attraktiven Naherholungsgebiete

Anschliessend orientierte der Wasserbauingenieur Adrian Schertenleib vom Tiefbauamt des Kantons Bern umfassend über Konzept, Ziele und die geplanten Massnahmen des Hochwasserschutz- und Renaturierungsprojekts Aare zwischen Thun und Bern. Grundidee: Mehr Raum für die Aare. Nachhaltiger Hochwasserschutz heisse, der Aare einen Teil ihres ursprünglichen Raums wieder zurückzugeben. Erhalte der Fluss wieder genügend Platz, liessen sich mehrere Probleme mit einem Schlag lösen. Ein ausreichend breites Flussbett vermöge Wasser auch bei Hochwasser weitgehend ohne Schäden abzuleiten. Die Sohlenerosion werde gebremst und mittelfristig sogar rückgängig gemacht, weil die Aare in einem breiten Flussbett grundsätzlich langsamer fliesse. In den zur Überflutung vorgesehenen Flächen fänden Pflanzen und Tiere neue Nischen und Lebensräume. Schliesslich entstünden auch attraktive Kiesbänke und Flachufer, die zu vielfältigen Freizeitaktivitäten direkt am Wasser einladen. Der Aare wieder genügend Platz zu geben, sei jedoch nicht im gesamten Aareraum konsequent umsetzbar. Auch im Rahmen eines nachhaltigen Hochwasserschutzes sind Dämme und Verbauungen an einzelnen Stellen nötig, so etwa bei der Gürbemündung in Belp / Kehrsatz oder zum Schutz der Autobahn A6 bei Rubigen.

Viele weitere interessante Informationen zu den geplanten Flussbauprojekten an der Aare zwischen Thun und Bern finden sich auf der Website www.aarewasser.ch. Viele Bilder und Informationen, wie es an der Aare zwischen Thun und Bern eventuell einmal aussieht, unter: www.wasserwirtschaftsamt-muenchen.de (Beispiel Isar um München).

Die Grundsatzdiskussion

Die Diskussion unter den Anwesenden zeigt relativ rasch, dass das Gesamtprojekt zwischen Thun und Bern grundsätzlich unbestritten ist, da es insgesamt eine wesentliche Aufwertung des Lebensraums Aare bringt – als Auenlandschaft und als Erholungsgebiet. Die schnurgerade, eingezwängte Aare erhält mehr Raum und für die Erholungssuchenden gibt es mehr Nischen, mehr Plätze zum Entdecken, zum Baden und Böötli fahren. Als Hochwasserschutz bei "normalem" Hochwasser bringt das Projekt einiges, offensichtlich aber nicht genug bei derart ausserordentlichen Hochwassern wie im Sommer 2005. Hier sind zusätzliche Massnahmen andernorts (Thun-Entlastungsstollen, Schwellen Bern) und eine effiziente Notfallplanung wichtiger.

... und die Detailposition der SP Bern Ost zur Situation bei der Elfenau

Beim Projekt Aare-Elfenau handelt es sich um ein grosses Projekt mit sichtbaren Eingriffen in ein sensibles Gebiet. Die bisherigen Auseinandersetzungen zeigen: Viele Menschen sind mit der Elfenau-Landschaft emotional stark verbunden und betrachten jede Veränderung als störend. Auch besteht offensichtlich ein grosses Informationsdefizit.

Sie begrüsst die Revitalisierung und die Absicht, der Aare mehr Raum zu lassen. Es wird Lebensraum für zahlreiche Tiere und Pflanzen geschaffen. Die SP Bern- Ost ist der Meinung, dass auch das Naturschutzgebiet oberhalb des Krebsbaches saniert werden muss. Es ist Teil der Auenlandschaft – früher führte ein Aare-Arm durch das ganze Gebiet. Beide Sanierungsprojekte müssen als Teil eines Gesamtprojektes gesehen werden. Ein grosses Gewicht legen die SP Bern Ost im ganzen Projekt auf die Zugänglichkeit der Gewässer: der Krebsbach und die vorgesehene Ausleitung im untern Teil der Elfenau müssen auf jeden Fall zugänglich bleiben im Sinne einer echten Integration der Gewässer in die städtisch geprägte Parklandschaft, die eben auch Freizeit- und Erholungsraum ist. Es ist dabei sinnvoll, die baufällig gewordenen «Sporen» zu entfernen. Eine Sanierung wäre widersinnig, sehr teuer und hätte erst noch den Verlust von Beiträgen aus dem Renaturierungsfonds zur Folge.

Dem Informationsbedürfnis im Quartier und in der Stadt ist bisher nicht genügend Rechnung getragen worden. Eine transparentere und ehrlichere Information der Bevölkerung ist deshalb in Zukunft dringend nötig. Auch Begleitmassnahmen sind wichtig. Dazu gehören eben ein Informationskonzept und ein Abfallkonzept: Dieses sollte Massnahmen vorsehen zur Abfallvermeidung, Entsorgung inkl. WC und Hundeanlagen.

Die SP Bern-Ost fordert die zuständigen Stellen auf, das Projekt zu deblockieren und zu einer echten Aufwertung des Gebietes für Fluss und Mensch beizutragen.

Gottlieb Witzig