Skip to main navigation Skip to main content Skip to page footer

Motion Entwicklungskonzept Fliessgewässer

Stadtrat 26.10.2006: (SP/JUSO, Thomas Göttin)

 

Werte Anwesende

 

Was wäre Bern ohne die Aare. Die Stadt ist, was Bäche und Flüsse betrifft, vielleicht einmalig in Europa – man vergisst das manchmal und es ist der Wert, dass wir uns über die Bedeutung und Zukunft der Gewässer Rechenschaft ablegen. Gewässer, das heisst Erholung, Lebensqualität, Hochwasserschutz, Lebensraum  und e huffe mehr, Umwelt im umfassenden Sinne.

 

Die Antwort des Gemeinderates geht in die richtige Richtung. Sie ist transparent und ausführlich, dokumentiert Ist- und Sollzustand und sagt, wo es Projekte hat und wo nicht. Es ist ein guter Prüfungsbericht – aber es ist noch kein Entwicklungskonzept Fliessgewässer. Ich möchte die Arbeit der Verwaltung hier ausdrücklich würdigen, aber gerade darum auch begründen, warum die SP/JUSO-Fraktion trotzdem an der Motion festhaltet.

 

Die Antwort äussert sich im wesentlichen zur Ökomorphologie, also zur Ufergestaltung. Sie zeigt zum Beispiel Unterschiede von Bachprofil und Raumbedarf im Siedlungsraum oder in ländlichen Gebieten. Es fehlen aber Aussagen zu andern Aspekten, wo für die Beurteilung der Gewässer wichtig sind: Ökologie (z.b. wo steht welcher Lebensraum für Tiere und Pflanzen im Vordergrund, wo gerade nicht), Hydrologie (zum Beispiel Wasserqualität, es kann Zielkonflikte geben mit der Ökologie, wies beim Wysslochbach beschrieben ist) oder planerische Aspekte (z.b. die unterschiedliche Funktion von Gewässern je nach Siedlungsform, Rolle vom Denkmalschutz wie beim Mattebach, wo geht es vor allem um Erholung, wo um Lebensräume).

 

Denn: Die Aare fehlt. Der Gemeinderat hat sie bewusst ausgeklammert, weil im Zusammenhang mit dem Hochwasserschutz ein Gesamtkonzept für die Aare in Arbeit ist. Das könnte ja – ohne grossen Zusatzaufwand - mit dem Fliessgewässer-Konzept zusammen geführt werden. Das muss ja nicht morgen fertig sein – die Gesamtsicht ist wichtig. An der Aare sind die Ansprüche und die Anforderungen besonders vielfältig, unterschiedlich, und konfliktträchtig. Wir wollen beurteilen, welche Rolle spielt der Hochwasserschutz und Erholungsbedarf, wie weit bleibt die Aare in Zukunft, was sie uns heute bedeutet.

 

Beim Stadt- und Sulgenbach sagt der Bericht vom Gemeinderat numme, dass etwas soll ändern, aber es gibt noch keine Projekte. Das ist ein Mangel. Es geht nicht um irgendwelche Detailkonzepte, das wäre zu kompliziert und zu teuer. Es geht um die Leitideen: wie sehen wir unsere Stadt und ihre Gewässer in zehn, zwanzig Jahren: Leitideen darüber, was konkret mit einem Sulgenbach, mit einem Stadtbach über die ganze Länge gesehen passieren könnte: ausgedolt, kanalisiert, naturnah, in Siedlungen integriert, oder ein Kunstwerk, beide gleich, oder unterschiedlich. Auch bei Gewässern, wo schon Projekte bestehen, würde man im Rahmen von einem solchen Konzept sehen, was – nicht im Detail – aber grundsätzlich vorgesehen ist und wo potentiell Nutzungskonflikt entstehen, wie sie ja gerade beim Gäbelbach angedeutet sind.

 

Es hilft Prioritäten zu setzen: Wo packen wir etwas an, was lassen wir weil zu teuer, oder zu wenig relevant, und wo gibt es Synergien. Nicht, dass der Gemeinderat oder die Verwaltung solche Überlegungen nicht anstellen, da ist Wissen und Sensibilität vorhanden. Aber ein Konzept macht Prioritäten nachvollziehbar und die Kriterien transparent: Bevölkerung und Organisationen nehmen das zur Kenntnis, können sich darauf beziehen, mehr als bei einen schubladisierten Prüfungsbericht: Die Bernerinnen und Berner sollen doch sehen, wie sich unsere Gewässer verändern, wandeln, entwickeln oder aus den unterirdischen Kanälen aufbrechen könnten. Das fördert das Verständnis für Massnahmen, gerade wenn sie später kosten oder Nutzungskonflikte beinhalten.

 

Noch etwas zu den Themen Kosten und Verwaltungsbeschäftigung: Wir glauben, dass die Bedeutung, wo die Aare, der Gäbelbach, der Stadtbach und alle die andern für die Stadt haben, ein Konzept rechtfertigen, wo auf ein paar Jahre hinaus Leitideen vorgibt und Richtschnur ist. Das Konzept der Zürcher stammt aus den 80er Jahren, jenes von Basel von Ende 90er Jahren, auch die Genfer haben eines –  sie haben immer noch Bestand und der Zusatzaufwand hat sich in allen Fällen dank einer effizienteren und kohärenteren Umsetzungsplanung gelohnt. Das ist uns lieber – und im Endeffekt billiger - als mit Einzelvorstössen zu jedem einzelnen Bächlein Informationen über den Stand von Projekten zusammen zu knübeln. Die SP/JUSO-Fraktion möchte kein Hochglanz-Konzept, keine zusätzliche Messungen. Viel Wissen und Grundlagen sind vorhanden – bei der Stadt oder auch beim Kanton – und für die Aare werden die Grundlagen sowieso gemacht – diese lassen sich problemlos integrieren. Ein Fliessgewässerkonzept ist darum ein umweltpolitische Chance für Bern, die SP/JUSO-Fraktion empfiehlt Annahme von der Motion.